"Menschen - beseelt von einer Idee"

Die Waldorfschule Böblingen feiert in diesem Schuljahr ihr 25jähriges Bestehen. Zahlreiche Veranstaltungen sind zu diesem Anlass geplant. Den Start ins Jubiläumsjahr markierte die Auftaktveranstaltung am 26. September in der Schule, bei der die gesamte Gemeinschaft und die Vertreter der Gründerinitiative zurückblickten und nach vorne schauten.
Gespannte, erwartungsfrohe Stimmung erfüllte die voll besetzte Turnhalle der Freien Waldorfschule Böblingen. Zur Einstimmung hatten die Gäste soeben gemeinsam mit den Klassen drei, vier und sieben den hebräischen Friedenskanon "Schalom chaverim" gesungen, nun betrat Gründungslehrer Hajo Sennock die Bühne und nahm die Zuhörer mit auf eine Reise in die Vergangenheit der Freien Waldorfschule Böblingen. Damals, Ende der 80er-Jahre, fand sich ein kleines Grüppchen zusammen, das auch nicht vor großen Hürden und Schwierigkeiten zurück schreckte, um das Ziel zu erreichen, eine Waldorfschule im Landkreis Böblingen zu etablieren. "Wir waren damals Menschen", blickte Hajo Sennock zurück, "die beseelt waren von einer Idee und der Möglichkeit, diese Idee Wirklichkeit werden zu lassen". Der unbedingte Wille und feste Glaube der Gründerinitiative seien die entscheidenden Kräfte gewesen, um zum Erfolg zu kommen. "Damals wie heute werden wir Erwachsenen inspiriert von der bloßen Existenz unserer Kinder", ergänzte Sennock.

Die Waldorfschule als soziales Gebilde lebt durch die Beiträge unzähliger Menschen

Schwer vollstellbar mag es manchem Zuhörer erschienen sein, wie viel Einsatz, Kreativität und auch Sachverstand die Gründer und damaligen Eltern eingebracht hatten. In unzähligen ehrenamtlichen Arbeitsstunden wurden die ersten provisorischen Räumlichkeiten in der Alten Sindelfinger Realschule hergerichtet, ein Jahr später das Alte Lungensanatorium am Herdweg saniert und schließlich auch der Neubau auf ebendiesem Gelände gestaltet, auf dem die heutige Waldorfschule steht. Der Schulgeist, der die damalige Gemeinschaft erfüllt habe, appellierte Hajo Sennock weiter, sei damals wie heute zentraler Bestandteil eines gelingenden Miteinanders. Schließlich lebe gerade die Waldorfschule als ein "soziales Gebilde" durch die vielen Beiträge unzähliger Menschen. Sich wieder stärker auf diesen Geist und die Werte der Waldorfpädagogik zu konzentrieren, sei eine der Hauptaufgaben der kommenden Zeit. "Wir folgen bei der Erziehung unserer Kinder heute einem Modell der Selbstoptimierung und Anpassung an die Erfordernisse der gegenwärtigen Gesellschaft", sagte Hajo Sennock. "Wir müssen aufpassen, dass wir uns als Waldorfschule nicht an solche Modeerscheinungen anpassen." Diese solle, so Sennock weiter, ein Ort sein, an dem persönliche Entfaltung geschehen kann. "Die Jugendlichen müssen sich entwickeln dürfen, denn wir wissen doch noch gar nicht, wer sie sind und dürfen sie nicht einer ungewissen Zukunft opfern."

Nach der Entzündung der Jubiläumskerze durch Waltraud Schlutius, einer Mutter der Gründungsklasse, zeigten die Klassen zwei bis vier die Eurythmie-Vorführung "Die abenteuerliche Reise des kleinen Wassertropfens". Darin wurde der Weg des Tröpfchens im Jahreslauf fantasievoll nachempfunden. Kreativ zeigten sich die Schüler auch bei einer Modenschau, die das Thema "Wasser" in den Modekreationen und der Begleitmusik aufnahmen. Anschließend wartete im Schulhof eine "süße" Überraschung. Die Bäckerei Sehne hatte eine fünfstöckige Jubiläumstorte gestiftet. Die 800 Stücke verleibten sich die Besucher binnen kürzester Zeit ein.

Die Schülerschaft präsentiert bunte und vielseitige Projekte zum Motto "Unser blauer Planet"

Derart gestärkt ging es in die verschiedenen Klassenzimmer, in denen die Jahrgänge ihre Projektarbeiten zum Thema "Unser blauer Planet" vorstellten. Von selbst gebauten Flößen in der Werkstatt über gebastelte Pappmaché-Tiere im Bachlauf, Experimente und selbst gebastelte Bilderbücher war allerlei geboten. Große Aufmerksamkeit erregte ein Hilfsprojekt für das nepalesische Dorf Kaule, das durch das verheerende Erdbeben und einen Erdrutsch stark getroffen wurde und deren Einwohner unter Hunger, Elend und Armut leiden. Die Schüler der Waldorfschule sammeln nun Spenden, um Bäume zu pflanzen. Sie sollen die Erde festigen, das Wasser binden und somit zu einer entscheidenden Besserung beitragen.
Eine Reise durch Europa erwartete die Besucher in der Turnhalle. Das Zirkusprojekt der Waldorfschule lud die Besucher zu einer Reise durch Europa ein. Ob Eishockeyspielen in der Schweiz, ein großer "Schirmtanz" auf dem regnerischem Stuttgarter Schlossplatz oder eine rhythmisch choreographierte Pfandrückgabe im italienischen Einkaufsmarkt: Die Schüler aus unterschiedlichen Jahrgangsstufen begeisterten durch artistische Einlagen, kreative Ideen und schlagfertige Moderation.
Als sich die Schulgemeinschaft wieder zum gemeinsamen Abschluss auf dem Schulhof traf, bereitete das Wetter die Bühne für den spektakulären Schlussakt. Die Wolken rissen auf, und im Sonnenschein, von den Klängen der Big Band begleitet, wurden zunächst die drei neuen orangenen Schulflaggen in den azurblauen Himmel gezogen. Mittlerweile tänzelten über der Schülerschar bereits 500 knallgelbe, heliumgefüllte Ballons. Nachdem der Stuttgarter Flughafen die Startgenehmigung gab und der Countdown heruntergezählt war, stiegen sie über dem Parkplatz auf und machten sich, begleitet von vielen "Ohhhs" und "Ahhhs" auf den Weg gen Westen.