Feldmessen

Warum sieht der Lehrplan von Waldorfschulen in der zehnten Klasse ein Feldmesspraktikum vor? Diese praktische, buchstäblich bodenständige Arbeit ist pädagogisch nicht allein als Ergänzung zur Trigonometrie aufzufassen, sondern sie wirkt stark auf das praktische Verständnis der theoretisch erarbeiteten Inhalte aus der Mathematik. Zusätzlich nehmen die Jugendlichen in dieser Zeit Aspekte der Physik und Geographie bewusster wahr.
Das Feldmesspraktikum dient in dieser Lebensphase der Schüler dazu, einen Bezug zur Erde und zu den praktischen Aufgaben des Lebens zu bekommen. Welche Herausforderung stellt sich den Heranwachsenden in dieser Altersstufe? Es geht darum, ins Praktische des Lebens einzutreten, mit beiden Beinen auf dem Boden zu stehen, "Erdenreife" zu erlangen - aber mit Bewusstsein. Darüber hinaus ist das Feldmesspraktikum ein großartiges Betätigungsfeld, um sich messend und zeichnend mit der Erde - oder zumindest einem kleinen Teil davon - auseinanderzusetzen. Diesen Teil kennt der Schüler nach zwei Wochen Praktikum 'wie die eigene Westentasche'.

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Landwirtschaftspraktikum

Den Höhepunkt und Abschluss des Gartenbauunterrichtes bildet das Landwirtschaftspraktikum. Es findet am Ende der 9. Klasse statt. Dazu leben und arbeiten unsere Schüler drei Wochen lang auf einem Bauernhof. Sie erhalten hautnah Einblick in die Berufswelt eines Landwirtes. Dabei ist das Praktikum sehr vielschichtig: Tiere pflegen, Pflanzen setzen, Geräte reparieren oder beim Verkauf mithelfen. Auch im sozialen Miteinander stellt es für den Jugendlichen eine große Herausforderung dar, denn es verlangt Mut, sich in eine Gastfamilie einzuleben und die körperlich anspruchsvollen Aufgaben des Landlebens täglich zu meistern. Am Ende einer gelungenen Praktikumszeit kehren die Schüler mit einer großen Portion Selbstvertrauen nach Hause zurück. Oft bleibt auch nach dem Praktikum ein herzlicher Kontakt mit "ihrem Bauernhof" bestehen, der in den Ferien immer wieder mal besucht wird.

Betriebliches | Soziales Praktikum

In der 10. Klasse sind die Schüler drei Wochen für ein Betriebs- und Sozialpraktikum vom Unterricht freigestellt. In ein bis drei selbständig gesuchten Betrieben können sie erste Erfahrungen im Berufsleben machen und sich evtl. für eine spätere Berufsrichtung orientieren.
Das Sozialpraktikum wird nur in einer Sozialeinrichtung absolviert, um tiefgehende menschliche Erfahrungen kontinuierlich über diesen Zeitraum zu ermöglichen. Dieses können z.B. Kindergärten, Altenheime, Schulen, Einrichtungen der Lebenshilfe oder anthroposophische Lebensgemeinschaften wie die Camphill-Einrichtungen am Bodensee sein. Es ist ebenfalls ein Praktikum im Ausland möglich.
Ihre Erfahrungen dokumentieren die Schüler in einem Arbeitsbericht. Die jungen Menschen kehren meistens sehr bereichert, gestärkt und ein wenig erwachsener nach diesen drei Wochen in die Schule zurück.